Angebote auch für Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen

 

Drei Fragen an...

... Chefärztin Priv.-Doz. Dr. Gabriele Bonatz, Klinik für Frauenheilkunde der Augusta Kliniken Bochum, und Beirätin von „Aktiv gegen Brustkrebs e.V.“.

 

 

Die Mitgliederversammlung von „Aktiv gegen Brustkrebs“ hat beschlossen, dass sich der Verein auch für Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen öffnet. Warum hat „Aktiv gegen Brustkrebs“ seine Tätigkeit um diesen Bereich erweitert?
Dr. Bonatz: Das Angebot, das wir unseren Brustkrebspatientinnen durch den Verein Aktiv gegen Brustkrebs e.V. bieten können, ergänzt die medizinische Therapie umfassend durch ein das Allgemeinbefinden und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte  unterstützendes Konzept.
Durch die Zusatztherapien berichten die Patientinnen immer wieder, dass sie z.B. durch bewusstere Ernährung und regelmäßiges Anwenden von Entspannungsverfahren, die Chemo- oder Strahlentherapie viel besser verkraftet hätten.
Entscheidend für den Sieg über eine Krebserkrankung ist, dass die adjuvante Therapie, die der Operation folgt, durchgehalten und nicht wegen Nebenwirkungen abgebrochen wird. Für einige Patientinnen sind kreative Therapien (z.B. Kunsttherapie) ein geeignetes Mittel, andere überwinden Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie besser durch Bewegung an der frischen Luft oder durch Krafttraining. Für moderate sportliche Betätigung über 3-5 Stunden pro Woche konnte in großangelegten Studien sogar gezeigt werden, dass sich das Rezidivrisiko für Betroffene verringerte. In der Sportgruppe konnte ebenfalls eine präventive Wirkung des Ausdauersportes gezeigt werden.
Patientinnen, die von gynäkologischen Krebserkrankungen betroffen sind,  müssen sich vergleichsweise sehr ausgedehnten und körperlich belastenden Operationen unterziehen. Für den Krankheitsverlauf gilt ebenso wie für Brustkrebspatientinnen, dass die an die Operation anschließenden Therapien  (Systemtherapie oder  Strahlentherapie) entscheidend für die Genesung sind und auf jeden Fall durchgehalten werden müssen. Um die Nebenwirkungen zu mindern, kann ab sofort das ergänzende Angebot des Vereins Aktiv gegen Brustkrebs auch von diesen Patientinnen genutzt werden.


Was sind gynäkologische Krebserkrankungen?
Dr. Bonatz: Gynäkologische Krebserkrankungen beziehen sich auf die Krebserkrankung der Eierstöcke, des Gebärmutterkörpers, des Gebärmutterhalses, der Scheide und des äußeren Genitale. All diese Krebsarten sind sehr viel seltener als die Brustkrebserkrankung.

Wie können Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen von den Angeboten des Vereins „Aktiv gegen Brustkrebs“ profitieren?
Dr. Bonatz: Am Vorabend der Operation raten wir unseren Krebspatientinnen dringend, an der abends zur Entspannung angebotene Yoga-Stunde teilzunehmen. Die Patientinnen profitieren hiervon enorm. Wir Ärzte haben beobachtet, dass die Patientinnen, die am präoperativen Yoga teilgenommen haben,  sehr viel ruhiger sind, ihre Ängste vor der Operation aufgefangen werden und sie wesentlich besser schlafen. Dadurch gehen sie ausgeruhter in die Operation und benötigen in der Regel weniger Schmerzmittel postoperativ.  Um zu überprüfen, ob unser Eindruck richtig ist, führen wir in Zusammenarbeit mit der LWL-Klinik derzeit eine Studie darüber durch. Leider mussten wir dieses Angebot derzeit wegen der Corona-Pandemie unterbrechen. Sobald es wieder zulässig ist, werden wir das präoperative Yoga aber wieder in das Behandlungskonzept aufnehmen. Das gilt auch für die Kurse Kunsttherapie, Nordic Walking, Ernährungsberatung, Drachenboot und natürlich Yoga.

(-weco-)