Komplementär – integrativ – alternativ: Eine Standortbestimmung

Chefärztin Priv.-Doz. Dr. Gabriele Bonatz

 

Drei Fragen an...

... Chefärztin Priv.-Doz. Dr. Gabriele Bonatz, Klinik für Frauenheilkunde der Augusta Kliniken Bochum, sowie Beirätin und Initatorin von „Aktiv gegen Brustkrebs e.V.“.
 

 


Schulmedizin kontra Alternativmedizin in der Krebstherapie - Umfragen zeigen, dass sogenannte sanfte oder natürliche Therapien gefragt sind. Wie erklären Sie sich das?
Dr. Bonatz: Patienten mit Krebs haben eine hohe Erwartungshaltung an die naturheilkundlichen, homöopathischen, alternativen oder komplementären Methoden. Sie fragen nach einer einfacher zu überstehenden, wirksameren und einfacheren Therapie. Eine direkte Therapie der Krebserkrankung kann hiermit jedoch nicht wissenschaftlich fundiert angeboten werden.


Komplementär – integrativ – alternativ: Wie ist das einzuordnen?
Dr. Bonatz: Alternative Medizin suggeriert den Patienten, dass sie ohne die Methoden der wissenschaftlich geprüften Medizin besser zum Heilerfolg führt - und das ohne Nebenwirkungen. Sie wird oft parallel zur wissenschaftlichen Medizin eingesetzt oder alternativ angewandt, ohne mit ihr im Einklang zu stehen und ohne sich einer wissenschaftlichen Überprüfung zu stellen. Manchmal wird sie auch alternativ zur wissenschaftlichen Medizin eingesetzt mit oft deletären (schädlichen) Folgen.
Komplementäre oder integrative Medizin erkennt in der Regel die evidenzbasierte, wissenschaftlich untermauerte Medizin an und unterstützt die Krebstherapie hinsichtlich einer besseren Verträglichkeit. Die wissenschaftliche Evidenz ist meist niedrig, Empfehlungen basieren oft auf Einzelbeobachtungen. Deshalb muss überprüft werden, ob die gewählten Methoden im Einklang mit biochemischen und physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper stehen. Es muss nachgewiesen werden, dass sie nicht etwa zum Schaden des Patienten führen.


Der Verein „Aktiv gegen Brustkrebs“ hat zusammen mit dem Brustzentrum Augusta Bochum ein komplementärmedizinisches Angebot für Brustkrebspatientinnen und Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen entwickelt. Was verspricht man sich davon?
Dr. Bonatz: Einfache, aufbauende Methoden der komplementären/integrativen Medizin haben das Potenzial, durch besseres Nebenwirkungsmanagement zum Therapierfolg beizutragen und damit die Selbstwirksamkeit zu stützen. Dabei geht es um Ernährung, Bewegung und Lebensstil. Für diese Bereiche hält „Aktiv gegen Brustkrebs“ ein fundiertes Angebot bereit.

(-weco-)