Mut und Zuversicht durch Selbsthypnose

Martina Haeseler

 

Drei Fragen an...

Martina Haeseler, Ev. Pfarrerin und zertifizierte Hypnosetherapeutin


 

 

 

„Mut und Zuversicht durch Selbsthypnose“ heißt Ihr Angebot im aktuellen Kursprogramm von „Aktiv gegen Brustkrebs“. Warum ist Selbsthypnose gerade für Brustkrebspatientinnen und Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen zu empfehlen?

Martina Haeseler: Die Selbsthypnose ist generell für alle Krebsbetroffenen geeignet, gerade weil die Diagnose so niederschmetternd ist und die bange Frage mitschwingt, ob man sich jemals wieder sicher fühlen kann. Die modernen Therapien sind so wirkungsvoll und die Medizin hat heute so effektive Methoden, die Erkrankung wirklich zu heilen…und dennoch bleibt bei vielen Patient*innen die Sorge, der Krebs könnte zurückkommen.
Mit solchen Sorgen hypnotisiert man sich selbst und versetzt sich in eine negative Problemtrance mit allem was dazu gehört: negative Gedanken und Grübeleien ziehen negative Gefühle und Körperreaktionen nach sich und aus dieser Spirale (=Trance) kommt man einfach nicht mehr raus. Viele Krebsbetroffene sind also Meister*innen der Selbsthypnose, allerdings zu ihrem eigenen Schaden: Das ständige sich Sorgen führt dazu, dass man permanent niedergeschlagen und körperlich angespannt ist und Stresshormone den Körper fluten.

Und genau hier setzt die Hypnosetherapie an und lenkt den Blick auf den positiven Ausgang der Erkrankung. Sie hilft den Patient*innen die negativen Gedankenschleifen zu beenden und durch realistischere positive Gedanken und Bilder zu ersetzen. Im Sinne von: „OK es wird nicht leicht werden (negative Aspekte werden also mit in den Blick genommen)… aber ich habe in meinem Leben schon manche schwierige Situation gemeistert (Ressourcen und Fähigkeiten kommen wieder ins Bewusstsein) …und ich werde alles dafür tun, wieder gesund zu werden (positive Zukunftsbilder werden aktiviert).“
Die positiven Gedanken und Bilder lösen optimistischere Gefühle aus und aktivieren die Selbstheilungskräfte des Körpers. Man tut sich und seinem Körper also etwas Gutes und leistet einen eigenen aktiven Beitrag zum Heilungsprozess (Selbstwirksamkeit).

Wenn man also doch schon Meister*in der Selbsthypnose ist, warum sollte man dann nicht besser die positive Variante erlernen?

Manche Menschen werden bei dem Wort Hypnose sicher gleich an entsprechende TV- oder Bühnenshows denken, die oft auch einen Kontrollverlust suggerieren. Was unterscheidet die therapeutische Hypnose von solchen „Show-Hypnosen“?


Martina Haeseler: Die therapeutische Hypnose benötigt solche tiefen Trancezustände nicht. Ein Kontrollverlust ist völlig überflüssig. Wir wollen zwar in der Hypnosetherapie vor allem das Unterbewusstsein erreichen, aber dazu reicht es aus, wenn der kritische Verstand einfach nur ein wenig entspannt und zur Ruhe kommt. Wenn etwas Übergriffiges passieren sollte, ist es wünschenswert, dass er sofort wieder wach wird und aufpasst.
Der therapeutischen Hypnose geht es darum, Eigenprozesse anzustoßen. Sie will nicht etwas Fremdes in die Patientinnen „hineinpfropfen“, sondern aktivieren, was längst in ihnen ist, was aber zur Zeit verschüttet und nicht zugänglich ist, weil der Schreck der Diagnose alles überlagert. Und dazu ist ein angenehmer Entspannungszustand völlig ausreichend.

Wie muss man sich den Ablauf einer Selbsthypnose mit Ihnen für eine Patientin vorstellen?

Martina Haeseler: Zunächst einmal führen wir ein Gespräch, um uns kennenzulernen. Ich möchte gern wissen mit welchen Problemen die Patientin zu kämpfen hat, aber auch welche Ressourcen sie mitbringt, um sie selbst zu lösen. Ich frage nach Zukunftsbildern, Hoffnungen und all dem, was ihre Person und ihr Leben ausmacht und was ihr auch in schwierigen Situationen Kraft und Halt gibt. Dann erkundige ich mich nach ihren Zielen und dem, was sie mittels der Hypnosetherapie erreichen möchte.
Meist nimmt ein solches Gespräch eine gute Stunde in Anspruch, währenddessen schon positive Aspekte in den Blick kommen und erste im Unterbewusstsein verschüttete Ressourcen aktiviert werden.
Dann verabreden wir eine erste Hypnosesitzung zu dem Thema, das die Patientin gern bearbeiten möchte. Die Zeit bis zu dieser Sitzung nutze ich, um einen individuellen Trancetext zu verfassen.
Zum Beispiel entschied sich eine Patientin dafür, in der ersten Sitzung eine positive Zukunftsvision zu entwickeln: eine Situation, ein Ereignis, auf das sie sich von Herzen freuen könnte, nachdem alle Therapien abgeschlossen wären. Sie stellte sich eine Urlaubssituation mit ihrem Mann vor.
Ich bezog in den Trancetext ihre Vorstellungen ein: den konkreten Ort, die konkrete Aktivität dort und vieles mehr. In der Hypnosesitzung führte ich sie an diesen Ort und ließ sie all das, was sie sich wünschte mit allen Sinnen erleben, so als wäre es schon Wirklichkeit. Dies löste unbeschreibliche Glücksgefühle in ihr aus und vor allem, eine tiefe Zuversicht, es wirklich zu schaffen. Wir nahmen diese Sitzung per Smartphone auf und ich ermutigte die Patientin, diese Trance täglich zu hören und eigenständig zu üben.
Eine solche Hypnosesitzung mit Vor- und Nachgespräch dauert eine gute Stunde. In meinem Büro habe ich ein bequemes Sofa, worauf sich die Patientinnen entspannen können, wenn sie mögen. Natürlich kann die Hypnose auch im Sitzen stattfinden, auch das ist gut möglich.

(-weco-)


Info: Das Angebot besteht ganzjährig, Termine nach Absprache, Ort: Augusta-Kranken-Anstalt Bochum, Raum der Seelsorge. Die Kosten übernimmt die Seelsorge.
 

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